Welche Brennweiten in der Portraitfotografie

Für Porträts an einer Vollformatkamera werden Brennweiten zwischen 50 mm und 135 mm empfohlen, da sie schmeichelhafte Ergebnisse ohne Gesichtsverzerrungen liefern. Das 85-mm-Objektiv gilt oft als die klassische und ideale Wahl.
Empfohlene Brennweiten nach Sensorgröße
Die Wahl der Brennweite hängt auch vom Kamerasensor ab. Die genannten Brennweiten beziehen sich typischerweise auf Vollformatkameras. Bei Kameras mit kleineren Sensoren (APS-C, Micro Four Thirds) muss der sogenannte Crop-Faktor berücksichtigt werden, um den effektiven Bildausschnitt zu bestimmen.
SensorgrößeEmpfohlene Brennweiten (effektives Vollformat-Äquivalent)
Vollformat50 mm, 85 mm (klassisch), 135 mm
APS-C35 mm (entspricht ca. 52,5 mm - 56 mm), 50 mm (entspricht ca. 75 mm - 80 mm)
Micro Four Thirds25 mm (entspricht 50 mm), 42,5 mm (entspricht 85 mm)
Spezifische Empfehlungen
  • 50 mm (Vollformat): Eine sehr vielseitige Option, die sich gut für Ganzkörper- oder Gruppenaufnahmen eignet. Für Porträts kann man näher herangehen, sollte aber aufpassen, dass das Gesicht nicht verzerrt wirkt.
  • 85 mm (Vollformat): Die "klassische" Porträtbrennweite. Sie ermöglicht detailreiche Bilder aus einer angenehmen Entfernung und zeichnet sich durch hohe Schärfe und schmeichelhafte Proportionen aus.
  • 70-200 mm (Vollformat): Dieses Zoomobjektiv bietet viel Flexibilität und deckt den idealen Porträtbereich ab. Es ermöglicht, den Bildausschnitt schnell anzupassen, ohne den Standort wechseln zu müssen.
  • Festbrennweiten versus Zoomobjektive: Festbrennweiten sind oft lichtstärker (z.B. Blende f/1.4 bis f/2.8), was eine geringere Schärfentiefe und somit ein schönes, unscharfes Bokeh (Hintergrundunschärfe) ermöglicht. Zoomobjektive wie das Tamron 35-150mm f2-2.8 Di III VXD bieten Flexibilität bei immer noch guter Lichtstärke.


Sonderfall Portrait im amerikanischem Schnitt

In der Porträtfotografie bezeichnet der amerikanische Schnitt (auch „American Shot“ oder „Medium Cowboy“) eine Einstellungsgröße, bei der die Person vom Kopf bis etwa zur Mitte der Oberschenkel (kurz oberhalb der Knie) abgebildet wird.
Die Verwendung einer 35-mm-Brennweite für diesen Schnitt ist aus folgenden Gründen besonders effektiv:

Warum 35 mm ideal für den amerikanischen Schnitt ist
  • Storytelling & Kontext: Da 35 mm ein leichtes Weitwinkel ist, wird neben der Person auch viel von der Umgebung eingefangen. Das eignet sich perfekt für „Environmental Portraits“, bei denen das Umfeld die Geschichte des Porträtierten unterstützt.
  • Natürliche Perspektive: Der Bildwinkel von 35 mm wirkt sehr nah am menschlichen Sehvermögen (ohne das periphere Sehen) und erzeugt eine intime, authentische Atmosphäre.
  • Geringe Verzerrung: Da man für den amerikanischen Schnitt (Hüfte aufwärts) einen gewissen Abstand zum Modell hält, treten die typischen Weitwinkel-Verzerrungen im Gesicht (z. B. eine vergrößerte Nase) kaum auf.

Tipps für die Umsetzung
  • Abstand halten: Für diesen Schnitt müssen Sie nah genug ran, um Präsenz zu zeigen, aber weit genug weg, um Verzerrungen zu vermeiden.
  • Hintergrund-Management: Nutzen Sie eine offene Blende (z. B. f/1.4 oder f/1.8), um das Motiv trotz des weiten Winkels sanft vom Hintergrund zu isolieren und ein schönes Bokeh zu erzeugen.
  • Kamerahöhe: Achten Sie darauf, die Kamera etwa auf Brust- oder Hüfthöhe zu halten, um die Proportionen beim amerikanischen Schnitt harmonisch darzustellen.
Während klassische Porträtbrennweiten wie 85 mm den Fokus rein auf das Gesicht legen, macht die 35-mm-Optik im amerikanischen Schnitt den Betrachter zum Teil der Szene.